Das durch Kaltpressung gewonnene Pflanzenöl kann in den Ölmühlen durch einfache technische Verfahren zu Biokraftstoff für Dieselmotoren (Rapsölkraftstoff bzw. Pflanzenölkraftstoffe nach DIN-Norm) oder auch als biologisch abbaubares Hydraulik-, Schmier- oder Sägekettenöl weiterverarbeitet werden.

Biokraftstoff aus heimischen Ölpflanzen bietet eine gute Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Pflanzenöl ist eine der dichtesten Energieformen, die durch Photosynthese entstehen. Der auf das Volumen bezogene Heizwert beträgt 34,6 MJ/l und liegt nur knapp hinter dem von Diesel (35,9 MJ/l). Es hat aber bestimmte Eigenschaften, die es von Dieselkraftstoff unterscheiden. So weist Pflanzenölkraftstoff eine höhere Dichte und Flammpunkt auf und vor allem bei niedrigen Temperaturen ist die Viskosität (Zähflüssigkeit) von Pflanzenöl höher als die von fossilem Diesel. 

 

Klimaschutz durch Pflanzenölkraftstoffe

Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette von der Herstellung und Weiterverarbeitung bis hin zur Nutzung leistet der Einsatz von Biokraftstoffen einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Durch die Substitution mineralölbasierter Kraftstoffe kann CO2 eingespart werden. Weiterhin finden im Falle der fossilen Kraftstoffe bereits vor der eigentlichen Nutzung als Kraftstoff umweltrelevante Prozesse statt (Exploration, Förderungen, Transport, Verarbeitung). Pflanzenölkraftstoffe  können hingegen ohne hohen technischen Aufwand in dezentralen Ölmühlen durch die Pressung heimischer Ölpflanzen gewonnen wodurch sich die Klimabilanz durch sekundäre Emissionsminderung noch verbessert.

Bei der Produktion von Pflanzenölen entstehen zu ca. 2/3 Presskuchen (dezentrale Anlagen) bzw. Extraktionsschrot (industrielle Ölmühlen). Dieses hochwertige Koppelprodukt kommt als eiweißreiches Tierfutter zum Einsatz, wodurch Futtermittelimporte substituiert werden können, was wiederum zur THG-Minderung beiträgt. 

Pflanzenöl enthält keine für die Natur schädlichen Stoffe und ist biologisch leicht abbaubar (Wassergefährdungsklasse 0). Dadurch ist es für einen Einsatz in umweltsensiblen Bereichen prädestiniert (Land- und Forstwirtschaft, Schifffahrt, Stromerzeugung in Naturschutzgebieten). Transport, Lagerung und Nutzung von Pflanzenöl ist außerdem umwelt- und unfalltechnisch unproblematisch.

 

Technische Anpassungen

Zwei verschiedene Anpassungsstrategien sind für die motortechnische Nutzung von Pflanzenölen möglich:

1. Anpassungen der Motorentechnik für den Betrieb mit reinen Pflanzenölen (Werkslösungen bzw. technische Umbauten)

2. Anpassung des Kraftstoffes an den Motor (Biodiesel)

Mit entsprechend umgerüsteter Motortechnik kann Pflanzenöl in reiner Form verwendet werden.  Die geforderte Qualität reiner Pflanzenöle zur Kraftstoffnutzung wird durch die DIN 51605 für Rapsölkraftstoff bzw. DIN 51623 für Pflanzenölkraftstoffe sichergestellt. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf die Reduzierung von Aschebildnern wie Calcium, Phosphor oder Magnesium gelegt, um die Bildung von Ablagerungen an kraftstoffführenden Bauteilen (vor allem der Einspritzdüsen) zu minimieren. Dies erfolgt in der Ölmühle durch ein einfaches technisches Verfahren unter Verwendung von speziellen Bleicherden. Dafür wird das Öl mit einem oberflächenaktiven Stoff in Berührung gebracht, der die unerwünschten Bestandteile adsorbiert.

Da Aufgrund der vor allem bei niedrigen Temperaturen erhöhten Viskosität von Pflanzenölkraftstoffen, stellen vor allem der Kaltstart und das Zerstäubungsverhalten bei der Einspritzung Herausforderungen dar. Um einen reibungslosen Betrieb moderner Dieselmotoren mit reinem Pflanzenöl gewährleisten zu können, benötigt es daher einer Anpassung der Motorsoftware sowie des Kraftstoffsystems. 

Mittlerweile gibt es zuverlässige Systeme, welche das Kaltstartverhalten pflanzenölbetriebender Maschienen erheblich verbessern. Bei Maschinen mit „2-Tank-System“, wird der Motor mit Diesel gestartet. Bei Erreichen der Betriebstemperatur wird auf Pflanzenölbetrieb umgeschaltet. Maschinen mit „1-Tank System“ laufen nur auf Pflanzenöl. Hier wird der Kaltstart durch eine zusätzliche elektrische Vorwärmung der Kraftstoff- und Einspritzsysteme ermöglicht.

Durch ein angepasstes Einspritzmanagement (Softwareanpassung) werden weiterhin Leistungseinbußen und Kraftstoffeintrag ins Motoröl vermieden, sowie Abgasemissionen reduziert.

 

 

 

Kontakt

Bundesverband Dezentraler Ölmühlen und Pflanzenöltechnik e. V.
Alemannenstraße 25
85095 Denkendorf

 

Telefon: 08466 - 5839960
E-Mail: info@bdoel.de